Mittwoch, 14. Juni 2017

Gedenken an Opfer der Deportationen im Baltikum

Der 14. Juni ist in den baltischen Staaten ein Trauertag. In Estland, Lettland und Litauen erinnern die Menschen sich an diesem Tag an die Opfer der Massendeportation vom 1941 als nach der Annexion durch die Sowjetunion schätzungsweise 50 000 Menschen nach Sibirien deportiert wurden.
Denkmal für Opfer von Deportationen 1941 und 1949
am Bahnhof Risti in Estland.
Foto: wikimedia commons/nosser
Auf dem Foto ist das Denkmal für Deportationsopfer am Bahnhof Risti zu sehen. Das Kreuz wird von gebogenen Eisenbahnschienen gebildet. Durch diesen Verkehrsknotenpunkt in Westestland wurden schätzungsweise 3 000 Menschen mit Zügen nach Sibirien gebracht.

Unter den Opfern, die den Bahnhof Risti passierten, war auch Eha Üksti, die Tochter des früheren Schuldirektors aus Haapsalu. Eha war eine Schulfreundin von Laine Villenthal, die im Jahr 1967 als erste Frau in der lutherischen Kirche in Estland zur Pfarrerin ordiniert wurde. In ihrer Biografie "Wir wollen keinen anderen Pfarrer! Die Geschichte der ersten ordinierten Pfarrerin in Estland" erinnert Laine Villenthal an ihre Schulfreundin Eha:

„Ich suchte Ehas Großmutter auf. In dieser Schicksalsnacht hatte sie nichts gehört, bis die Familie zu viert die Treppe herunterging. Ihre Tochter sagte nur: „Mutter, wir gehen weg.“ Als umsorgende Großmutter hat sie gemerkt, dass ihr Schwiegersohn nur einen dünnen Sommermantel trug und sagte: „Anton, zieh dir einen warmen Mantel an!“ „Ach, im Gefängnis brauche ich doch keinen dicken Mantel!“,erwiderte er.
Am nächsten Tag hörte sie, dass der Zug mit den Gefangenen in Haapsalu am Bahnhof stand. Als erstes fiel ihr ein, dass ihr Enkel Lembit niemals mit anderen aus einer Tasse trank. Sie konnte nicht selber hingehen, bat aber jemanden, eine Drei-Liter-Milchkanne hinzubringen.
Als die Tochter aus Sibirien schrieb, stand da: „Danke für die Milchkanne! Darin waschen wir uns, darin wasche ich Wäsche und damit holen wir Suppe.“ 

Ich habe Eha auch einen Brief geschickt, erfuhr aber nie, ob er ankam.“

Weitere Infos
über Deportationen aus Estland: https://de.wikipedia.org/wiki/Deportation_aus_Estland  
Hintergründe zur Pfarrerin Laine Villenthal und ihrer Autobigraphie: https://www.facebook.com/LaineVillenthal/
Buchbestellungen und Leseprobe: http://www.gustav-adolf-werk.de/neuerscheinungen.html

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