Montag, 29. Mai 2017

Sanierung des Studentenwohnheimes in São Leopoldo


Solaranlage auf dem Dach des Studentenwohnheimes
"Herzlich bedanke ich mich beim GAW für die Hilfe zur Sanierung des Studentenwohnheimes der Evangelischen Fakultät (EST) in São Leopoldo," schreibt Prof. Dr. Wachholz, Dekan der Fakultät. "Diese Sanierung war schon länger geplant und notwendig zur Verbesserung der Wohnsituation der Studierenden."
Die EST spielt in der Geschichte der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Brasilien (IECLB) eine wichtige Rolle. Durch den Zweiten Weltkrieg war es unmöglich geworden, Studierende nach Deutschland zu schicken oder auch in demselben Maß deutsche Pastoren in Brasilien aufzunehmen. So entschied man sich, eine eigene Theologenausbildung aufzubauen. Die EST hat sich eine herausragende Stellung für reformatorische Theologie auf dem Kontinent erarbeitet und bis heute ganze Theologengenerationen in der IECLB entscheidend geprägt.  
Neue Sanitäranlagen
Inzwischen kann man außer Theologie auch eine Ausbildung in Musik, Krankenpflege, Musiktherapie und Pädagogik absolvieren. Die EST verfügt über eine der besten Ausbildungs- und Forschungszentren Lateinamerikas und hat eine hervorragende theologische Bibliothek. Inzwischen wird auch ein umfangreiches Fortbildungsprogramm für Partner aus dem kirchlichen und öffentlichen Bereich angeboten. Täglich bewegt sich auf dem gesamten Gelände der EST bzw. des Spiegelberges, wo sich noch weitere kirchliche Institutionen befinden, eine große Menschenmenge.
Das Studentenwohnheim auf dem Gelände existiert seit 50 Jahren. Es war an der Zeit, das Gebäude grundsätzlich zu sanieren. Mit Hilfe des GAW und andere Partner konnten die Sanitäranlagen und die Hauselektrik erneuert werden. Des Weiteren wurde die Küche erneuert und eine Solar-Wasseranlage installiert. 

Das GAW hat im Projketkatalog 2015 10.000 Euro dafür zur Verfügung gestellt. Allen Spendern sei herzlich gedankt.

Dienstag, 23. Mai 2017

Du siehst mich - Gedanken zur Kirchentagslosung

„Du siehst mich" – diese drei Worte stehen über dem am 24. Mai beginnenden Kirchentag in Berlin im Reformationsjubiläumsjahr. Drei Worte, die mitten in unsere Zeit gesprochen sind. Wenn man so will sind es helle Worte in dunkler Zeit. Im 1. Buch Mose spricht  die Magd Hagar die Worte in ihrer Wüstenzeit. Dort sagt sie: „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ 
Hagar ist auf der Flucht. Sie, die Magd von Abrahams Frau Sara, ist schwanger. Das brachte Probleme. Mit dem Hochmut der Gesegneten blickte sie auf ihre Herrin, die unfruchtbar ist, herab. Da ist kein Gespür dafür da, wie es der nicht Gesegneten wohl geht. Wie überhaupt Menschen im Glück so oft das Gefühl für die anderen, die Unglücklichen, verlieren. So stichelte und demütigte Hagar Sara, die dann ihrerseits es Hagar zurückgab. Die Situation eskalierte. Hagar musste fliehen. Auf der Flucht in der Wüste erreicht sie eine Oase mit einem Brunnen. Hier wird die Geflüchtete von einem Engel, einem Boten Gottes, angesehen und angeredet. Engel verstehen sich auf das "Fürchte dich nicht", aufs Mut machen und Weiterhelfen. Hagars Geschichte endet nicht in der Wüste. Der Engel verkündet Zukunft. „Gott hat erhört“ – Ismael soll der Sohn heißen. Inmitten der Orientierungslosigkeit und ihrer Wüstenzeit ist sie nicht verlassen. Und sie bekennt: „Du bist ein Gott, der mich sieht!“ Das ist ein tief empfundenes Bekenntnis. Da geht es nicht um Moral oder den vohergehenden Hochmut oder irgendwelche Verfehlungen im Sinne, dass Gott alles sieht. Gottes Sehen und Wissen steht – so erlebt es Hagar – im Dienst des von ihm geschaffenen Lebens. Gottes Sehen steht im Dienst der Liebe und des Erbarmens.
Gabriele Mistral, chilenische Dichterin und Nobelpreisträgerin, schreibt in ihrem Gedicht „Scham“, das von der Begegnung mit einem Geliebten lebt. Da heißt es: "Wenn du mich anblickst, werd' ich schön". Dann aber fährt sie fort, dass sie sich ohne diesen Blick des Geliebten "arm" und "bloß" fühlt, um dann einzumünden in die Bitte: "Senk' lange deinen Blick auf mich. Umhüll' mich zärtlich durch dein Wort."
Das ist die Erfahrung, die Hagar in der Wüste macht. Sie erlebt, wie sie himmelwärts angeschaut und unverhofft wahrgenommen wird in ihrem Elend. Sie ist nicht allein. Und sie wird bewahrt mitten in der Wüste. Dafür steht der Brunnen, an dem sie ausruhen und sich stärken kann. Ein Brunnen, der den Namen bekommt: "Brunnen des Lebendigen, der mich sieht." 
Wenn das Zukunft eröffnende Wort und die lebensfreundliche Welt so zusammen kommen, wie bei der flüchtenden Hagar, dann stimmt das Bekenntnis: "Du bist ein Gott, der mich sieht." 
Das möge unser Bekenntnis werden – bei uns und in der weltweiten evangelischen Diaspora. Und es mögen bei uns freundliche Worte und die guten Dinge dieser Welt in unserem Leben so zusammen stimmen, dass wir bekennen können: "Du bist ein Gott, der mich sieht."


Donnerstag, 18. Mai 2017

Wir wollen keinen anderen Pfarrer! - 50 Jahre Frauenordination in Estland

Die Biographie der vor 50 Jahren ordinierten estnischen Pfarrerin
"Wir wollen keinen anderen Pfarrer!" so lautet der Titel des gerade neu erschienene Buches aus dem Verlag des GAW. Es geht um die Geschichte der ersten ordinierten Pfarrerin in der lutherischen Kirche in Estland. „Wir haben gelernt, uns gegenseitig zu vertrauen. Wir wollen keinen anderen Pfarrer als Laine,“ erwiderte der alte Gemeinderatsvorsitzende von Pindi  den kritischen Fragen seines Propstes, als der sich anfangs weigerte. Es ist Frühsommer 1965 und die Gemeinde Pindi hat eben etwas getan, was es in der Estnischen Evangelisch-Lutherischen Kirche bis dahin so nicht gegeben hat: Sie hat die Kirchenleitung gebeten, die Predigerin Laine Villenthal als Pfarrerin zu ordinieren. Laine Villenthal ist dieser Werdegang nicht in die Wiege gelegt. In einer armen Bauernfamilie aufgewachsen, studiert sie unter erschwerten Bedingungen Theologie – in einem sozialistischen Land, in dem die Kirche als Staatsfeind galt. Der Zweite Weltkrieg und die sowjetische Okkupation ihrer Heimat durchkreuzen immer wieder ihre Lebensentwürfe. Doch sie lässt sich nicht beirren. Ohne die Aussicht auf Ordination stellt sie sich als Predigerin in den Dienst der Kirche. Im vollen Vertrauen auf Gott lässt sie sich dann auf das Wagnis ein, einen gänzlich neuen Weg zu beschreiten, den vor ihr noch keine Frau in ihrer Kirche gegangen ist: Am 16. November 1967 wird Laine Villenthal als erste Frau in Estland und in der gesamten Sowjetunion ordiniert. Bis zu ihrem 82. Lebensjahr bleibt sie als Pfarrerin im Dienst. 
Laine Villenthal ist eine Wegbereiterin für viele Frauen, die ein geistliches Amt anstreben, und eine wichtige Zeitzeugin. Ihre packende Lebensgeschichte ist für Leserinnen und Leser in Deutschland eine große Hilfe, die wechselvolle Geschichte Estlands im 20. Jahrhundert besser zu verstehen.
Gerade im Jahr des Refomrationsjubiläums ist dieses Buch ein Zeugnis und ein Bekenntnis zur Frauenordination insgesamt.
Im Blick auf die Frage der Ordination von Frauen gilt es immer wieder den Gegnern der Frauenordination deutlich zu machen, dass es keine biblische Grundlage dafür gibt, einen getauften, für ein Amt geeigneten und von Gott berufenen Menschen von der Ordination auszuschließen. Diese Überlegung muss für eine evangelische Argumentation in dieser Frage leitend bleiben. Zudem muss man deutlich sagen: Eine Kirche, die die Hälfte der Menschen vom Pfarramt meint ausschließen zu müssen, verdunkelt die Strahlkraft des Evangeliums. Die Kirche Jesu Christi braucht das gleichberechtigte Amt!

50 Jahre Frauenordination in Estland - wir wünschen dem Buch viele Leser und Leserinnen!

Die Übersetzung stammt von dem deutsch-estnischen Pfarrerehepaar Merike Schümers-Paas und Michael Schümers, die beide in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck arbeiten. 

Hrsg. vom Gustav-Adolf-Werk e.V., Diasporawerk der Evangelischen Kirche in Deutschland 
· ISBN 978-3-87593-129-7 · 18 EUR · 308 Seiten + 16 Seiten farbiger Bildteil · Verlag des GAW, Leipzig 2017 
· Zu beziehen über: verlag@gustav-adolf-werk.de
Tel.: 0341/490 62 13, www.gustav-adolf-werk.de/buecher.html oder über den Buchhandel.

Mittwoch, 17. Mai 2017

Das Seniorenheim in Komárno wurde eingeweiht

Das neue Seniorenheim in Komárno in der Slowakei
Am 7. Mai wurde das neue Seniorenheim „Timoteus-Haus“ in Komárno in der Slowakei festlich eingeweiht. Bischof László Fazekas von der Reformierten Kirche in der Slowakei begrüßte bei den Feierlichkeiten über 200 Gäste. Lange hat er mit seiner Kirche auf diesen Tag hingearbeitet.
Der reformierte Bischof Fazekas bei der Einweihung
Die Stadt Komárno (ungarisch: Rékomárom) liegt in der Südslowakei an der Mündung der Váh (deutsch: Waag) in die Donau. 1920 wurde sie zwischen der Tschechoslowakei und Ungarn geteilt, die Schwesterstadt Komárom auf der ungarischen Seite ist etwas kleiner. Auch in Komárno bilden die Ungarn die Mehrheit der Bevölkerung. Die Stadt ist ein wichtiges Zentrum für die Ungarn in der Slowakei. Die reformierte Gemeinde in Komárno ist die größte in der Slowakei.
Mit dem „Timotheus“-Haus soll die Arbeit im diakonischen Bereich verstärkt werden. Das Gebäude wurde 1938 als Waisenhaus gebaut und nach dem Zweiten Weltkrieg verstaatlicht. 2004 kaufte die Gemeinde das leer stehende Haus für einen symbolischen Preis zurück. Lange war nicht abzusehen, wann die Sanierung abgeschlossen sein könnte. Regelmäßig hat das GAW seit 2006 die schrittweise Sanierung des Hauses gefördert. Die gesamten Baukosten beliefen sich letztlich auf ungefähr 980.000 €. Die Finanzierung erfolgte u.a. durch einen großen Zuschuss der ungarischen Regierung, vielen Einzelbeiträgen, einem Zuschuss einer holländischen Stiftung und Mitteln des GAW in Höhe von ca. 68.000 €.
Dem Timoteus-Haus bietet nun in 18 Doppelzimmer und 4 Einzelzimmer Platz für 40 BewohnerInnen. Zu hoffen und zu wünschen ist es, dass das Haus sich auch wirtschaftlich tragen wird und eine Auslastung gegeben ist.
Allen Spendern, die geholfen haben, dankt Bischof Fazekas!

Donnerstag, 11. Mai 2017

Eine neue Orgel für die Petrikirche in St. Petersburg

In dieser Woche konnte nach langer Planungs- und Vorbereitungszeit eine gebrauchte Konzertorgel aus der Gertrudengemeinde in Stockholm in der St. Petrikirche in St. Petersburg am Newski Prospekt eingebaut werden. Zahlreiche Partner haben mit dem GAW gemeinsam dafür gesorgt, dass dieses Vorhaben umgesetzt werden konnte.
 
Pfarrer Michael Schwarzkopf schreibt:
 
"Wir danken allen, die dabei geholfen haben! Viele haben mitgeholfen, dass dieses Projekt möglich wurde. Aber noch ist die Orgel nicht fertig - sie sieht nur schon so aus. Aber im Inneren muss noch fünf Wochen lang gearbeitet werden."
 
Bisher wurde ein Orgelpositiv genutzt, das den großen Kirchraum klanglich nicht ausfüllen konnte. Ziel ist es, dass die Orgel hilft, viele Menschen zu Konzerten in die Kirche zu bringen. Das soll auf der einen Seite der Gemeinde helfen, Eigenmittel zu generieren, auf der anderen Seite die lutherische Kirche bekannter zu machen.

In Moskau wird mit guten Orgelkonzerten regelmäßig die evangelisch-lutherische Kirche mit Besuchern gefüllt. So soll es dann zukünftig auch in St. Petersburg sein.


Mittwoch, 10. Mai 2017

Protestantische Gotteshäuser strahlen in neuem Glanz


Innenraum der Kirche in Bodonci
Viele evangelische Christen in Slowenien haben eine besondere Beziehung zu ihren Kirchengebäuden. Das hat auch historische Gründe. Die ersten protestantischen Kirchen aus der Zeit der Reformation wurden in der Gegenreformation wieder zerstört. Die Gläubigen konnten sich nur noch Zuhause treffen, in der ständigen Angst vor Entdeckung und tödlicher Strafe.
Katja Ajdnik ist Pfarrerin in der Gemeinde in Puconci im Übermurgebiet. Das Übermurgebiet liegt im Nordosten Sloweniens, im Dreiländereck zwischen Österreich und Ungarn. Hier ist die historische Heimat der Protestanten Sloweniens. Die Kirche von Puconci wurde 1783 gebaut und ist damit die älteste evangelische Kirche in Slowenien, wie sie stolz erzählt. Erst nach dem Toleranzedikt von 1781 durften die Protestanten überhaupt Kirchen bauen - ein großer Gewinn für sie: Sie konnten sich selbstbewusst treffen und ihren Glauben in Gemeinschaft und aller Öffentlichkeit leben. Das Toleranzedikt galt jedoch nur für das Übermurgebiet.
Kirche in Gornji Slaveči 

Simona Prosič-Filip ist Pfarrerin in der Gemeinde Gornji Slaveči, ebenfalls im Übermurgebiet. Sie erzählt, dass die Kirchen nach dem Ende der sozialistischen Herrschaft sehr heruntergekommen waren und dringend restauriert werden mussten. Die Regierung Titos hatte die Gemeinden nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet und sich nicht bemüht, die alten Gebäude zu erhalten. Besonders die Wände der Kirche in Gornji Slaveči waren sehr feucht. Sechs Jahre lang hat die Gemeinde die Restaurierung geplant und Geld dafür gesammelt. Die Gläubigen wurden gebeten, zur Andacht an die Verstorbenen statt Blumen und Kerzen Geld für die Restaurierung der Kirche zu spenden. Es kam viel Geld zusammen. Gemeinsam mit einem Kredit von der Kirchenleitung und Geldern aus dem Kulturfonds der Regierung konnte die Gemeinde die erforderlichen 220.000 Euro zur Restaurierung aufbringen und mit den Arbeiten beginnen.

Die Primus-Truber-Kirche in Ljubljana war in den Jahren zwischen 1945 und 1990 sogar zweckentfremdet worden: Hier waren die Werkstätten des Staatlichen Theaters untergebracht! In den letzten Jahren konnten die 15 protestantischen Kirchengebäude in Slowenien nun endlich restauriert werden. Die Kirchengebäude wirken innen freundlich und einladend. Nach außen geben sie ein lebendiges Zeugnis für die Jahrhunderte währende protestantische Kirchengeschichte in Slowenien. Den Gemeindegliedern und PfarrerInnen merkt man an, wie wichtig ihnen der Erhalt ihrer Kirchen ist. Pfarrerin Simona Prosič-Filip freut sich: "Mit der Restaurierung haben wir die Voraussetzungen geschaffen, dass unsere Gemeinde auch in Zukunft lebendig bleibt."

Samstag, 6. Mai 2017

Primus Truber und die Unterdrückung der Reformation in Slowenien

Altarbild in der Primus-Truber-Kirche in Ljubljana
Der 31. Oktober, der Reformationsfeiertag, ist in Slowenien staatlicher Feiertag. Und das, obwohl die Protestanten weniger als 1% der Bevölkerung ausmachen! Primus Truber (1508 – 1586) ist nicht nur der Reformator Sloweniens, sondern auch der Begründer einer einheitlichen slowenischen Sprache – ähnlich wie Luther in Deutschland. Er wurde als einfacher Müllerssohn in der Nähe von Ljubljana geboren. Als begabter Jugendlicher sprach er bereits mit 16 Jahren sechs verschiedene Sprachen. Später wurde er Priester und war schnell begeistert von den Lehren Luthers. Er predigte gegen das Zölibat und den Papst. 1542 wurde er als Superintendent von Ljubljana eingesetzt. Schnell verbreitete sich die reformatorische Botschaft in Slowenien. Die meisten Slowenen wurden evangelisch.

Gedenktafel an die Bücherverbrennung in Ljubljana 1601
Doch die von den Habsburgern unterstützte und von den Jesuiten durchgeführte Gegenreformation wirkte in Slowenien so gründlich und vernichtend wie in wenigen anderen Ländern: Mehrfach musste Truber nach Deutschland fliehen. Die erste Übersetzung der Bibel erschien nicht in Slowenien, sondern in Wittenberg. Versteckt in Weinfässern wurden die Bibeln schließlich nach Slowenien geschmuggelt. Unter Androhung von Folter und Tod mussten die Protestanten zum katholischen Glauben zurückkehren. Viele flohen nach Deutschland, Ungarn, Österreich oder Siebenbürgen. Evangelische und auf Slowenisch geschriebene Bücher wurden verbrannt. Im Jahr 1630 gab es quasi keinen Protestantismus mehr in Slowenien. Erst mit dem Toleranzedikt von 1781 wurde ein evangelisches Glaubensleben wieder möglich. Dies galt jedoch nur für die ungarisch verwalteten Provinzen im nordöstlichen Teil Sloweniens, die immer schon einen Sonderstatus hatten. Das sogenannte Übermurgebiet ist noch heute die Heimat der meisten Protestanten in Slowenien.

Primus Truber auf der Ein-Euro-Münze
Alle Slowenen kennen Primus Trubar als Begründer der slowenischen Schriftsprache, die ohne ihn vielleicht nie entstanden wäre. Dass er eigentlich evangelischer Pfarrer war und aus religiösen, nicht aus nationalen Motiven handelte, wissen die wenigsten. Sogar auf Sloweniens Ein-Euro-Münze ist Truber abgebildet. Damit ist sie die einzige Münze im gesamten Euro-Raum, die einen Reformator zeigt!


Freitag, 5. Mai 2017

Slowenien – die grüne Lunge Europas

Gruppe der Frauenarbeit in Primus-Truber-Kirche in Ljubljana
Eine Gruppe von der Frauenarbeit des Gustav-Adolf-Werks befindet sich gerade auf der diesjährigen Projektreise der Frauenarbeit. Ziel der Reise ist es, das Jahresprojekt 2018 vorzubereiten, das sich mit den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens beschäftigen wird. Gastgeber ist die Evangelische Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Slowenien, eine Partnerkirche des Gustav-Adolf-Werk.
Predjamski Grad - eine mittelalterliche Burg in eine Karsthöhle gebaut
Wer das erste Mal nach Slowenien reist, wird womöglich überrascht sein: Satte grüne Hügel, so weit das Auge reicht. Slowenien ist eines der waldreichsten Länder Europas. In der Ferne ragen die Hochgebirge der Alpen in den Himmel. Zwischendurch sieht man kleine Dörfer mit spitzen Kirchtürmen auf den Hügeln thronen. „Gott wollte das Land mit so viel Reichtum ausstatten, also musste er es unterkellern“, lautet ein Spruch der Slowenen über ihr Land, der auf die zahlreichen unterirdischen Höhlen anspielt. Fast die Hälfte des Landes besteht aus kalkigem Karstgebirge. Darunter befinden sich viele tausend kleine und große Höhlen – einige von ihnen Dutzende Kilometer lang.

Slowenien ist mehrheitlich katholisch geprägt. Weniger als ein Prozent der 2 Millionen Einwohner Sloweniens gehören heute der evangelischen Kirche an. Die meisten von ihnen leben im Nordosten Sloweniens, im Übermurgebiet. Slowenien gilt nach Tschechien und den neuen Bundesländern als die säkularisierteste Gegend Europas. Der Glaube spielt für die Menschen vor allem an den großen Festen im Jahres- und Lebenslauf eine Rolle. In den anderen jugoslawischen Nachfolgestaaten ist die Säkularisierung weniger weit fortgeschritten – schließlich ist die Religion dort stark mit der nationalen Zugehörigkeit verbunden. Ein Kroate hat nach diesem Verständnis katholisch zu sein, eine Serbe orthodox und ein Bosnier muslimisch. In Slowenien war die Identifizierung über die Religion in Abgrenzung zu den anderen Völkern Jugoslawiens weniger stark.

Die neue Ausgabe "Evangelisch weltweit" (2/2017) ist da

Die neue Ausgabe des GAW-Magazins "Evangelisch weltweit" ist erschienen!

Ein spannendes Interview mit Pfarrer Joseph Kassab von der "National Evangelical Synod of Syria and Lebanon" ist eines der Schwerpunkte:
Pfarrer Kassab wird Gast des GAW auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin sein.

Ein weiterer Beitrag informiert über evangelische Glaubensgeschwister in Bulgarien.

Chris Ferguson, Generalsekretär der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WRK), ist mit einer Kolumne vertreten. Die WRK wird Ende Juni sich in Leipzig zu ihrer Vollversammlung treffen.

Simon Schaierer berichtet von dem Evangelischen Salam-Krankenhaus in Ägypten. "Es ist ein Friedensprojekt", betont er. In diesem Jahr fördert das GAW das Krankenhaus.

Dass die Evangelische Kirche in Tschechien (EKBB) sich in die gesellschaftspolitischen Fragen einbringt, konnten deutsche Theologiestudenten bei einer Exkursion nach Prag erfahren.

Diese und viele weitere Themen aus der weltweiten evangelischen Diaspora finden sich in der aktuellen Ausgabe 2/2017. Das Magazin des GAW erscheint vierteljährlich zum Jahresabonnementpreis von nur 9,90 EUR.
Bestellungen und Redaktion: presse@gustav-adolf-werk.de