Freitag, 17. November 2017

Besuch im krisengeschüttelten Venezuela

"Es ist ein wichtiges Signal der Solidarität für uns, dass du uns in der kommenden Wochen besuchen wirst," schreibt der venezolanische Kirchenpräsident Gerardo Hands mir. "Es ist wichtig, dass du dir selbst ein Bild von unserer Situation als Kirche machst und von der aktuellen Lage Venezuelas."
In seiner Mail beschreibt Hands, wie sich von Tag zu Tag die Situation im Land verschlechtert: In den letzten zwei Monaten ist die nationalen Währung um 300 % abgewertet worden; der Mindestlohn beträgt somit nur noch ca. 6 Euro. Wer kann davon überleben? Eigentlich können sich nur noch Personen mit ausländischem Gehalt die normalen Lebenskosten leisten. Der öffentliche Nahverkehr ist zusammengebrochen, die medizinische Versorgung verschlimmert sich täglich, die Kindersterblichkeit ist enorm gestiegen. Die Stromversorgung bricht regelmäßig zusammen und die Wasserversorgung ist ebenfalls sehr problematisch. Gas zum Kochen zu kaufen ist kompliziert geworden, auch Benzin bekommt man nur schwer - und das im erdölreichsten Land der Welt ...
Hands fragt sich, wann es einen Wandel im Land gibt: "Auch für 2018 ist derzeit keine Verbesserung in Sicht. Die diakonischen Projekte unserer Kirche können nur dank der Hilfe überleben, die wir u.a. vom GAW erhalten." 
Er schließt seine E-Mail mit den Worten: "Danke, dass du in der kommenden Woche uns besuchen willst. Es gibt wenige Menschen, die derzeit zu uns kommen und noch weniger, die mit uns zusammenarbeiten! Hasta lunes!"

Mittwoch, 15. November 2017

50 Jahre Frauenordination in Estland

Laine Villenthal und Harri Rein bei ihrer Ordination
in der Domkirche in Tallinn am 16.11.1967
"Als Erzbischof Tooming uns um 17:30 Uhr in sein Dienstzimmer rief – wir sollten unser Amtsgelübde ablegen – merkte ich, dass seine Finger leicht zitterten. Das beruhigte mich: Ich war nicht alleine mit meiner Aufregung und Angst. Auch der Allergrößte und Allerbeste ist nervös. Das verschaffte mir Ruhe. Auf dem Tisch lag eine geöffnete Bibel, wir legten unsere Hände darauf. Der Erzbischof las den Text des Gelübdes laut vor. Die Ordinationsassistenten waren auch dabei. Danach unterschrieben wir alle das Amtsgelübde, auch die Zeugen. Ich kann die Erhabenheit dieses Augenblicks nicht in Worte fassen“, erinnert sich Laine Villenthal an eine Szene vor ihrem Ordinationsgottesdienst am 16. November 1967 in der Domkirche von Tallinn.
Laine Villenthal (1922-2009) war die erste Frau in Estland (und in der Sowjetunion), die als Pfarrerin ordiniert wurde. 

"Mir wurde die Pfarrstelle in dieser Gemeinde angeboten. Das kann man nicht beantragen oder sich nehmen. Gott bietet Menschen Arbeit in seinem Reich an. Der Mensch kann es nun annehmen oder ablehnen", sagt Laine Villenthal in ihrer ersten Predigt als Pfarrerin in ihrer Gemeinde in Pindi.
Das entsprach ihrem bescheidenen Wesen. Nicht sie selbst hatte die Ordination ersucht, sondern ihre Gemeinde in Pindi. „Wir haben gelernt, uns gegenseitig zu vertrauen. Wir wollen keinen anderen Pfarrer als Laine“, hatte der alte Gemeinderatsvorsitzende zwei Jahre zuvor die kritischen Fragen des Propstes abgewehrt.


Ihre bewegende Lebensgeschichte hat Laine Villenthal aufgeschrieben. Die deutsche Übersetzung von Pfarrehepaar Merike Schümers-Paas und Michael Schümers ist unter dem Titel „Wir wollen keinen anderen Pfarrer! Die Geschichte der ersten ordinierten Pfarrerin in Estland“ (308 Seiten, 18,00 EUR, ISBN: 978-3-87593-129-7) im Verlag des GAW erschienen und kann auf der Internetseite http://www.gustav-adolf-werk.de/neuerscheinungen.html oder in der Buchhandlung bestellt werden.

Eine Materialsammlung zum Thema Pfarrerin Laine Villenthal/Frauenordination in Estland: https://www.facebook.com/LaineVillenthal/




Von der Amtseinführung Laine Villenthals in Pindi am 23. November 1967 existiert ein äußerst seltenes Zeitdokument, ein kurzer Film, aufgenommen von Pfarrer Alber Soosaar mit einer 8-Millimeter-Kamera.

 

Montag, 6. November 2017

Neue Ausgabe "Evangelisch weltweit"



Die Ausgabe 4/2017 des Magazins "Evangelisch weltweit" hat die Feierlichkeiten anlässlich des Reformationsjubiläums zum Titelthema gemacht. Während in Deutschland die Zahlen die Diskussion über die Feierlichkeiten bestimmen, ist die Sicht unserer Partner ein anderer. Gerade die kleinen Minderheitskirchen, die sooft in ihren Gesellschaften nicht wahrgenommen werden, haben das Reformationsjubiläum genutzt, um Themen zu setzen, öffentliche Aufmerksamkeit zu gewinnen, mit anderen Konfessionen ins Gespräch zu kommen, einander zu begegnen und zu feiern.

„Gerade für uns als Minderheitskirche ist es wichtig, dass wir uns vergewissern, gemeinsam mit unseren Geschwistern weltweit unterwegs zu sein“, unterstreicht Pfarrer Israel Flores Olmos, Professor für Praktische Theologie an der Evangelischen Theologischen Fakultät in Madrid in seinem Interview über Evangelisch-Sein im katholischen Spanien. Für bestärkende Treffen und Begegnungen bot das Jubiläumsjahr Gelegenheiten zuhauf. In der aktuellen Ausgabe von „Evangelisch weltweit“ berichten wir von solchen Begegnungen auf der Weltausstellung in Wittenberg, während des Reformierten Welttreffens in Leipzig und auf dem Kirchentag „Aus gutem Grund: Evangelisch in Rumänien“. Selbstverständlich können wir nur einen kleinen Ausschnitt bieten. Wir haben aber vor, unsere Partnerkirchen demnächst danach fragen, welche Höhepunkte des Jubiläumsjahres in ihrem Land am besten ankamen und ob das Jubiläum die öffentliche Wahrnehmung evangelischer Minderheiten spürbar beeinflusst hat.

Zu Themen der Ausgabe 4/2017 zählt auch der Einsatz der Christlichen Stiftung Diakonia für junge Roma in Rumänien. Das im Artikel „Maria kann jetzt lesen“ vorgestellte Bildungsprojekt steht übrigens auch im Projektkatalog 2018 des GAW – zusammen mit 125 Projekten aus nunmehr 50 Partnerkirchen


Einige Berichte aus dem aktuellen Magazin sind im Internet zugänglich: http://www.gustav-adolf-werk.de/evangelisch-weltweit-das-magazin-des-gaw.html

Das Jahresabo des Magazins „Evangelisch weltweit“ kostet 9,90 Euro. Sie können gern ein Abo auch spenden, z.B. als Geschenk an eine Leserin und einen Leser in unseren Partnerkirchen: http://www.gustav-adolf-werk.de/patenschafts-abos.html

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Ein Mann des Friedens und großen Mutes - Frans van der Lugt: ein Märtyrer aus Homs

Generalsekretär Enno Haaks am Grab von Frans van der Lugt
Nur 150 Meter von der evangelische Gemeinde in Homs entfernt befindet sich  der Konvent der Jesuiten. Er liegt direkt hinter ihrem Schulgebäude, das in der über zwei Jahre dauernden Belagerungs- und Kriegszeit in der Stadt zerstört wurde. Am 7. April 2014 drangen maskierte Bewaffneten in den Jesuitenkonvent ein. Sie zerrten den 75-jährigen Jesuitenpater Frans van der Lugt aus dem Gebäude, schlugen ihn zusammen und exekutiert ihn schließlich im Innenhof. 
Pater van der Lugt hatte als einziger aus dem Konvent in der belagerten Altstadt ausgehalten und sich immer wieder an die Weltöffentlichkeit gewendet.
Im Februar 2014 sandte er eine dramatische Botschaft an die Weltöffentlichkeit: "Wir wollen nicht in einem
 Meer von Leid und Elend versinken. Wir lieben das Leben. Wir wollen leben. Die Menschen sind verrückt vor Hunger, die Stadt ist zu einem gesetzlosen Dschungel geworden." Den Islamisten war er ein Dorn im Auge, denn er kritisierte immer wieder ihre Gewalt. Er selbst weigerte sich, zu gehen. Er könne doch als Hirte seine Schafe nicht alleine lassen, bekannte er. Diese Treue zu den ihm Anvertrauten kostete ihm das Leben. Syrien war ihm zweite Heimat geworden. Schon seit den 1960er Jahren hatte der Niederländer in Syrien gelebt.
Direkt im Innenhof des Konvents ist er begraben. Dort wird an ihn als einen christlichen Märtyrer erinnert. 
Unsere evangelischen Partner führten uns zu seinem Grab. Ein bewegender Moment, denn sie schilderten dabei, wie eng sie mit ihm im ökumenischen Austausch und im Einsatz für die Menschen in Homs verbunden gewesen waren. Die evangelische Kirche mit dem Pfarrhaus wurde im Krieg schwer beschädigt und als Rekrutierungsbüro missbraucht. Inzwischen sind die Kirche und das Pfarrhaus wieder hergerichtet.

Zehn Kirchen und 60.000 Christen aus verschiedenen Konfessionen gab es in Homs vor dem Bürgerkrieg. Jetzt sollen es noch gut 12.000 Christen sein. 
Von den ehemals 1,5 Millionen Einwohnern lebt noch 1 Million in der Stadt.

Dienstag, 24. Oktober 2017

Resignation ist keine christliche Option! - Zukunft in Homs

Homs
Zwischen 2012 und 2014 wurde Homs vom Bürgerkrieg hart getroffen. Große Teile der Stadt wurden von islamistischen Militanten besetzt, einschließlich der Gegend, in der sich die presbyterianische Kirche befindet. Im Jahr 2014 wurde ein ein lokaler Friedensvertrag unterzeichnet, der die Stadt langsam befriedete. Vor drei Monaten sind letztlich die letzten Kämpfer abgezogen. Seit einem Jahr gab es keinen Bombenanschlag mehr. Ca 5 km Luftlinie nördlich von Homs sollen sich islamistische Al-Nusra Kämfer aufhalten, die aber von der Stadt ferngehalten sind. "Wir leben sicher in Homs!" betont Pfarrer Mofid Karajili. "Viele Christen verließen zwischen 2012 und 2014 die Stadt um ihrer Sicherheit willen. Unsere presbyterianische
Pfr. Mofid vor seiner Kirche
Gemeinde ist aber ziemlich stabil geblieben." Ca. 500 Gemeindemitglieder gibt es noch. "Die größte Herausforderung ist, dass sie eigen Lebensgrundlagen haben und bleiben können", sagt Mofid, der all die Jahre geblieben ist und Hoffnung vorlebt, dass es eine Zukunft für Christen in Homs gibt.Fährt man durch Homs, dann sind man eingestürzte Gebäude und Wände mit Artillerienschäden. Und zwischen den Ruinen wächst dennoch Leben und wird versucht, aufzubauen.
Ein weiteres Zeichen der Hoffnung ist die Jugendarbeit in der Presbyterianischen Kirche von Homs. 22 aktive junge Erwachsene versuchen einen Ort der Hoffnung vorzuleben in den Räumen der Kirchengemeinde: "Space for Hope“ - so heißt das Programm, das Mofid sich ausgedacht hat.  Kinder sollen die Möglichkeit haben, Kinder zu sein. Barrieren zwischen sunnitischen, alawitischen und
Mit dem Space for Hope Team
christlichen Kindern sollen durch Spiel und Spass überwunden werden, in der Hoffnung, dass die nächste Generation einen Weg finden wird, um miteinander auszukommen und in Frieden leben zu können. Viele der Kinder, mit denen sie arbeiten, haben nur Krieg erlebt. Sogar die 8- und 9-jährigen Kinder haben den Großteil ihres Lebens unter dem Bürgerkrieg gelitten. Alle haben im Bürgerkrieg Familienmitglieder und Freunde verloren. "In den Gesichtern und der Körpersprache der Kinder spürt man die Traumata des Krieges," sagt Mofid. "Aber die Kinder sollen wie alle Kinder auf der ganzen Welt Kinder sein dürfen." 
Die jungen Erwachsenen schaffen die Grundlage für eine zukünftige Generation von Frieden und Zusammenarbeit.
"Resignation ist keine christliche Option. Das ist in Europa leichter zu sagen als in Syrien. Ich bin beeindruckt von den vielen jungen und motivierten Menschen in der Gemeinde in Homs, die versuchen Hoffnung und Freude vorzuleben. Das ist zutiefst christlich gelebter Glaube", zeigt sich Landesbischof Ralf Meister beeindruckt von dem Engagement in der Gemeinde in Homs.

Sonntag, 22. Oktober 2017

Unter den Trümmern -LEBEN! - Evangelisch in Homs

Mofid Karajili
Erschütternd, bewegend und dann wieder "normal" ist es, einen Rundgang durch die Altstadt von Homs zu unternehmen. Hier wurde in den zwei Jahre und drei Monate lang währenden Kämpfen bis 2014 viel zerstört. Man geht an zerstörten Moscheen  vorbei und gleich daneben an einem eingestürzten Kirchturm. Die Gewalt des Krieges macht keinen Unterschied zwischen den Religionen und christlichen Konfessionen. Und jeder leidet unter der Zerstörung. So viele Menschen haben ihre Häuser verloren. Es gibt Gegenden in Homs, die völlig zerstört sind. Da wird es dauern. In der Altstadt versuchen Menschen, Normalität - was auch immer das sein kann - wieder zu gewinnen.
Einige versuchen ihre Wohnungen herzurichten. Bei anderen Häusern droht Einsturzgefahr. Die evangelische Gemeinde baut eine kleine Bäckerei auf, damit Frauen hier ein Auskommen haben können. Der Laden ist schön hergerichtet. Aber im 1. Stock ist ein großes Loch - ein Raketeneinschlag ... Man kann sich in Homs ganz entspannt in ein wunderschönes Restaurant setzen, als wäre drumherum keine Zerstörung zu sehen, und einen wunderbaren Abend bei syrischem Essen genießen, während ein ähnlich schönes Lokal 100 Meter entfernt völlig zerstört wurde.  
Wer hat Schuld an was - diese Frage stellt sich in dem Moment nicht, wo man durch die Strassen läuft und zwischen den Ruinen spürt, wie Menschen Schritt für Schritt sich neues Leben aufbauen wollen. Eher fragt man wütend, warum Menschen sich gegenseitig leben zerstören. Zumindest gibt es keine Kämpfe mehr in Homs. Es gab seit über einem Jahr keine Anschläge. Die Stadt gilt als sicher. Sicherheitskräfte sind permanent präsent.
Mitten in der Altstadt leitet Pfarrer Mofid Karajili seine evangelische Gemeinde, die noch ca. 500 Mitglieder hat. 100 von ihnen besuchen in der Regel den Sonntagsgottesdienst. Direkt neben seiner Kirche liegt eine zerstörte Moschee und eine zerstörte Schule. Mit Hilfe des GAW konnte er seine Kirche zügig wieder aufbauen, die in der Kriegszeit ein Rekrutierungsbüro für Islamisten gewesen war. Inzwischen ist diese Kirche ein pulsierenden, lebendiger Hoffnungsort mit einem Pfarrer, der sagt: "Ich glaube, dass es Sinn macht, hier zu sein. Gott hat mir diese Aufgabe zugedacht. Wie kann ich da nein sagen und gehen. ich will bleiben und Hoffnung säen! Und: Das geht!" Und er betont wie wichtig die Unterstützung aus dem Ausland ist, sowohl die materielle als aus geistliche Hilfe. "Wir brauchen eure Gebete und eure Solidarität!"

Das GAW hat beim Wiederaufbau der Kirche geholfen. bei der Einrichtung einer Bibliothek. Stromgeneratoren wurden gekauft. Die Schule und das Altersheim saniert. - Viel Hilfe ist in diese Gemeinde durch das GAW geflossen. und man sieht, dass diese Hilfe Menschen motiviert zu bleiben und Zeugnis ihres Glaubens zu geben.

Wir haben in Homs unsere Familie!

Landesbischof Meister (li.) mit Pfarrer Joseph Kassab
„Warum seid ihr nach Homs in Syrien gefahren? Das wird eine Frage sein, die wir – ich als hannoverscher Landesbischof und Enno Haaks als Generalsekretär des GAW nach der Rückkehr hören werden. Und die Antwort wird sein: Wir haben unsere Familie dort. Sie sind und bleiben Teil unserer Familie. Der Glaube an Jesus Christus verbindet uns und weist uns aufeinander. In Jesus Christus werden wir über Grenzen hinweg eine Familie Gottes“, sagte in der Predigt am 22. Oktober in der evangelischen Kirche in Homs in Syrien Landesbischof Ralf Meister. Über 120 Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde in Homs kamen zu einem bewegenden Gottesdienst zusammen, um beieinander zu sein und sich im Glauben zu stärken. Das brauchen die Christen in Syrien. Ihre Zahl ist durch den Krieg sehr zurückgegangen. Waren es mal 11 %, so schätzt man, dass nur die Hälfte übrig geblieben ist. In der Altstadt in Homs lebten z.B. einmal 60.000 Christen. Jetzt nach den kriegerischen Auseinandersetzungen sind
Pfarrer Enno Haaks 
höchstens 12.000 zurückgekehrt. Umso wichtiger ist es, dass die, die geblieben sind, sich gegenseitig bestärken und durch das Hören auf Gottes Wort ermutigt werden. Dafür ist eine heile Kirche wichtig, in dem die Gemeinde sich treffen kann. Es gibt zahlreiche zerstörte Kirchen und Moscheen in der Nähe der evangelischen Kirche. Die Evangelischen konnten mit Hilfe – u.a. des GAW – ihre zerstörte Kirche 2014/5 wieder aufbauen und Weihnachten 2015 ihren ersten Gottesdienst wieder feiern. Unsere Glaubensgeschwister brauchen unsere Solidarität. Sie brauchen unsere Gebete. Und sie brauchen auch unsere Besuche! Wie wichtig ist es, wahrgenommen zu werden mit den Sorgen, Nöten und auch Freuden! Und diese müssen weitererzählt werden. Dafür braucht es Begegnung. Nichts ist schlimmer, sich verlassen zu fühlen und nicht mehr wahrgenommen zu werden!

Samstag, 21. Oktober 2017

Eine evangelische Schule in Tripoli

Evangelische Schule in Tripoli
Tripoli gilt als die Hauptstadt des sunnitischen Islam im Libanon. Sie ist mit 500.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes mit dem zweitgrößten Hafen. 85 km nördlich von Beirut gelegen, gilt die Region aber als ökonomisch vernachlässigt. Zudem leben hier 50.000 Alawiten. Zwichen Sunniten und Alawiten gab es und gibt es immer wieder Konflikte, bis hin zu bewaffneten Auseinandersetzungen. Das hat auch die kleine evangelische Gemeinde immer wieder erlebt. Sie war einst eine der größten Gemeinden der National Evangelical Synod of Syria and Lebanon (NESSL). 80 Mitglieder hat die Gemeinde noch. Sie wird von Pfarrerin Rola Sleiman betreut, die erst Anfang 2017 ordiniert wurde - als erste Frau im Nahen Osten überhaupt. Darauf musste sie lange warten. Aber weil Rola Geduld
Pfarrerin Rola Sleiman (2.v.re.)
hatte,
zudem lange als Prädikantin gewirkt und in der evangelischen Schule intensiv mitgearbeitet hatte, war es irgendwann an der Zeit, dass die Gemeinde die Ordination einforderte.
Die Schule bildet einen Schwerpunkt im Gemeindeleben in Tripoli. Zahlreiche Gemeindemitglieder sind dort angestellt. Vor drei Jahren wurde wurde das neue Gebäude der Schule eingeweiht, weil die Konflikte in Tripoli eine Verlagerung aus dem Stadtzentrum nötig machten. Nun steht ein großes modernes Gebäude zur Verfügung, in der die Gemeinde versucht, ihre Schüler zu gegenseitigem Respekt und zur Toleranz zu erziehen und sie zu lehren, den anderen auch dann zu achten und zu schätzen, wenn er oder sie eine andere Kultur oder Religion hat. 1050 Kinder - mehrheitlich sunnitische Schüler - besuchen die Schule. 5 % sind Alawiten, 1 % Christen. Im Gespräch mit der Schulleitung wird deutlich, wie der Bürgerkrieg bis 1989 und die noch länger dauernde syrische Besatzung die Region und die Menschen geprägt haben - und damit auch die Schüler. "Die Auseinandersetzung mit der täglichen Gewalt ist eine permanente Herausforderung", sagt Rola. "Wir bräuchten noch mehr Psychologen im Team. Und wir haben die Arbeit mit den Eltern verstärkt, damit sie bei der Erziehung der Kinder helfen und nicht gegen die Schule arbeiten. Wir wollen mit Hilfe unseres christlichen Glauben heilend in die Gesellschaft hineinwirken!"

Und Rola erzählt weiter: "Es bleibt eine Herausforderung, Christen zu motivieren zu bleiben. Da spielt für meine Gemeinde die Schule eine wichtige Rolle."
Bischof Ralf Meister

Landesbischof Ralf Meister zeigt sich beeindruckt, wie von den sieben Schulen der NESSL jede Schule in ihrer Region eine andere Prägung hat aufgrund des jeweiligen anderen Kontextes: 

"Es ist gut evangelisch, sich auf den Kontext des Schulortes einzulassen und vom Evangelium her das Wort von der Versöhnung mit Leben zu füllen. Gerade in einer so komplexen Gesellschaft wie der libanesischen ist das Zeugnis der evangelischen Christen eine Stärkung für eine offene Gesellschaft und damit friedensstiftend."



Freitag, 20. Oktober 2017

Elias aus der Nähe Rakkas - ein syrischer Christ, der seine Heimat verloren hat

Elias (li.) mit Landesbischof Ralf Meister (Mitte)
In Zahle am Rande der Bekaa-Ebene arbeitet ein syrisch-othodoxer Christ. Nennen wir ihn Elias. Er stammt ursprünglich aus der Region Rakka in Syrien, die vom IS bis jetzt kontrolliert wurde. Vor vier Jahren ist Elias mit seiner Frau und einem Kind aus Syrien in den Libanon geflohen. Sein ältester Sohn hatte es schon geschafft, nach Deutschland zu fliehen. Um ihren anderen 16-jährige Sohn trauern sie bis heute. Sie mussten mit eigenen Augen ansehen, wie ihrem Sohn von IS-Kämpfern die Kehle durchgeschnitten wurde, als er sich weigerte, für sie zu kämpfen, dem christlichen Glauben abzuschwören und zum Islam zu konvertieren. Diese traumatischen Erfahrungen begleiten Elias. Bei allem Unglück hat er Menschen gefunden, die sich seiner und seiner Familie angenommen haben. In der evangelischen Schule fand er eine kleine Arbeit, für die er ein wenig Unterstützung bekommt.
Kein Land hat in Relation zur eigenen Bevölkerung mehr syrische Flüchtlinge aufgenommen als der Libanon. Es sollen ca. 1,8 Millionen sein, die sich im Land aufhalten. Einen Flüchtlingsstatus haben nicht alle und damit auch nicht Zugang zu der Unterstützung durch die UN. Flüchtling in Syrien zu sein ist sehr schwierig. Für einige wird es eine aussichtslose Situation bleiben. Das wird an der Situation der vielen Palästinenser im Libanon deutlich, die teilweise seit 1948 einen Flüchtlingsstatus haben. Flüchtlinge dürfen nicht arbeiten. Die meisten tun es trotzdem, weil sie mit den UN-Hilfen oder Leistungen anderer Organisationen nicht über die Runden kommen; weil sie ohne Registrierung gar keine Unterstützung bekommen können; oder schlicht weil sie ihre Chancen nutzen, wenn die Behörden nicht in der Lage sind, ihre Regeln konsequent durchzusetzen. Die meisten Syrer im Libanon finden irgendwo in den Städten und Gemeinden Zuflucht, sei es auch nur in einem kleinen Bretterverschlag unter einer Treppe, wenn es für ein Zimmer oder eine Wohnung nicht reicht. 
Elias hat zum Glück Hilfe erfahren. Und dass sein einer Sohn in Deutschland ist, das ist sein Glück, denn vor wenigen Tagen hat er endlich die Papiere erhalten zur Familienzusammenführung. Er wird ausreisen können.
Ob es allerdings in seiner alten Heimat in der Region Rakka wieder christliches Leben geben wird, das ist sehr fraglich. 
In den sieben Schulen der Evangelischen Kirche (NESSL) werden von den 6.500 Schülern auch 42 syrische Flüchtlingskinder unterrichtet. Das ist nicht einfach, denn das Schulgeld muss irgendwo herkommen. Die Kirche bemüht sich um Stipendien, damit diese Kinder eine gute Schulausbildung erhalten.
Zudem gibt es sechs weitere Schulen, die nur für syrische Flüchtlingskinder sind. Hier werden die Kinder beschult, damit sie Schreiben und Lesen lernen und beschäftigt sind. Der libanesische Staat ist auch hier völlig überfordert. Natürlich haben diese Schulen nicht den Standard der übrigen Schulen der NESSL. Aber ein Zeichen der Solidarität und der christlichen Nächstenliebe ist es allemal.

Es hat einen Sinn, evangelische Schulen im Libanon zu haben!

Bischof Meister (re.), daneben Prof. Johnny Awwad
"Wir sind in dieses Land gestellt, um mit unserem Glauben und den uns von Gott geschenkten Möglichkeiten Zeugnis für unseren Glauben zu geben", sagt Professor Johnny Awwad, pädagogischer Koordinator für die sieben Schulen der National Evangelical Synod of Syria and Lebanon (NESSL). "Wir sind nicht dazu da, uns zu beklagen, in welcher Situation wir als Christen im Nahen Osten sind, und dass wir weniger Christen werden. Wir wollen trotz allem mit Freude unseren Glauben leben!" Das ist ein starker Satz, wenn man weiß, dass die Gemeinden der  NESSL in Syrien und im Libanon zusammen rund 10.000 Mitglieder haben. 4.000 davon sind registriert. Aus sich heraus könnte die Kirche kein so großes pädagogisches Werk mit sieben Schulen im Libanon und einer Schule in Aleppo aufrechterhalten. Die Schulen müssen sich selbst tragen. Und mehr noch: Die Schulen verstehen sich als gegenseitige Solidargemeinschaft untereinander - und mit der Kirche. Ist eine Schule in finanzieller Not, dann hilft eine der anderen. Und zusätzlich haben die Schulen es ermöglicht, die kirchliche Infrastruktur am Leben zu erhalten. Könnten die Kirchengemeinden ohne die Schulen existieren? Und könnten die Schulen ohne ihre Trägerkirche überleben? Denn: Das
Prof. Awwad, Bischof Meister, Schuldirektorin aus Zahle,
GS des GAW E. Haaks, Pfr. J. Kassab 
betonen alle Schuldirektoren, die alle evangelisch sind: "Wir versuchen als Kirche im Land Zeugnis zu geben. Wir indoktrinieren nicht. Wir missionieren nicht. Wir stehen zu unseren werten und wollen Freiheit des Denkens und des eigenen Gewissens stärken und damit einen Beitrag zur Vielfalt in der libanesischen Gesellschaft leisten. Damit leisten wir einen Friedensbeitrag in einer unfriedlichen Umgebung." Ein Ausdruck der Vielfalt sind die Schulen selbst: in einer werden fast ausschließlich schiitische Kinder unterrichtet, in einer anderen nur sunnitische mit wenigen christlichen Schülern. In einer weiteren Schule sind immerhin 40% Christen. jede Schule versucht, sich auf ihren Kontext einzustellen. Aber keine Schule verneint ihre Prägung durch den vom Evangelium her geprägten Glauben. 
"Die Schulen sind ein lebendiges Zeugnis reformatorischen Glaubens. Die Reformation war immer auch eine Bildungsbewegung - das ist hier im Libanon lebendig", zeigt sich Landesbischof Meister beeindruckt von dem Engagement der NESSL.
Insgesamt spüren die Schulen und ihre Trägerkirche, dass sich die Situation der Christen im Nahen Osten verändert. Die Gemeinde werden kleiner im Libanon. In Syrien hat sich die Zahl der Christen seit Ausbruch des Krieges wahrscheinlich halbiert auf noch ca. 5% - wobei es keine klaren Zahlen gibt. 
Der Libanon spielt eine besondere Rolle in der gesamten Region, aber dennoch kommen Christen zunehmend unter Druck, denn der radikale Islam ist in bestimmten Regionen des Libanon stärker geworden. "Wir wissen nicht, was die Zukunft uns als Christen bringen wird. Aber wir vertrauen darauf, dass es einen Sinn hat, dass wir hier und heute unseren christlichen Glauben leben und immer weiter daran arbeiten, dass Menschen sich bilden und damit auch ein klares Fundament für ihr Leben bekommen, dass auf Versöhnung aus ist. Unsere Schulen wollen dafür ein Beispiel sein," sagt Professor Johnny. 

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Evangelische Schulen im Libanon fördern Vielfalt und Toleranz - ein friedensstiftender Auftrag

Bischof Ralf Meister (li.) mit Prof. Johnny in Nabatieh
Derzeit besuchen der Hannoversche Landesbischof Ralf Meister und der Generalsekretär des GAW Enno Haaks gemeinsam den Libanon. Schwerpunkt sind Besuche evangelischer Schulen, die für die National Evangelical Synod of Syria and Lebanon (NESSL) eine hohe Bedeutung haben. Sie zeigen, dass man als Minderheit in einem Land einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung der Gesellschaft leisten kann. Zudem sind die Schulen ein Beitrag, damit die Gesellschaft im Libanon vielfältig bleibt und die Mehrheitsreligion dadurch moderater bleibt.

"Warum unterhalten wir eine Schule in einer Gegend, wo es keine evangelische Gemeinde
Vor dem Schulgebäude in Sidon
gibt? Das haben Delegierte unserer Synode gefragt, als es um die Frage ging, mehr Schüler in der Schule in Nabatieh im Süden Libanons aufzunehmen", erzählt der Generalsekretär der National Evangelical synod of Syria and Lebnaon (NESSL) Pfarrer Joseph Kassab beim Besuch der Schule, die von ausschließlich muslimischen Schülern besucht wird. Bis auf wenige Ausnahmen sind die 1.300 Schüler alle Schiiten. "Die Eltern schicken ihre Kinder in unsere Schule, weil sie uns vertrauen, weil unsere Ausbildung einen hohen Standard hat und weil sie hier geschützt sind vor dem Versuch der Indoktrinierung durch Islamisten", sagt Kassab. "Wir selbst verstehen unser Engagement als ein Zeugnis unseres christlichen Glaubens. Mit unseren christlichen Werten versuchen wir Beispiel zu geben für gegenseitigen Respekt und Toleranz."
Seit 1925 gibt es diese Schule in Nabatieh. Es fing ursprünglich mit einem Bibliotheksraum an, wo evangelische Christen muslimischen Kindern Lesen beibrachten. Inzwischen platzt die Schule aus allen Nähten. Der engagierte evangelische Schuldirektor hat viele Veränderungen eingeführt, die die Qualität der Ausbildung erheblich verbessert hat. "Wir
Schule in Sidon
helfen durch unsere Präsenz und unser Engagement als Kirche, dass Vielfalt in unserer Gesellschaft gestärkt wird. Das schätzen die Eltern der Kinder, auch wenn sie für die Schulausbildung der Kinder erhebliche Geldmittel aufbringen müssen." In Nabatieh hält sich das noch einigermaßen in Grenzen. Ca. 2.000 US-Dollar kostet die Ausbildung im Durchschnitt pro Kind und Schuljahr. Schwierig könnte es für einige Eltern werden, weil der Staat per Gesetz erlassen hat, dass ab September die Gehälter der Lehrer erheblich angehoben werden müssen. Das scheint vor den bevorstehenden Wahlen im Libanon ein Lockmittel zu sein für die Lehrer. Nur - auf den Kosten bleiben die Träger und Eltern sitzen. Dazu muss man wissen, dass 70% der Schüler und Schülerinnen im Libanon private Schulen zu besuchen, deren Mehrheit in kirchlicher Trägerschaft liegt. Nur 30% besuchen öffentliche Schulen, deren Standard schlechter ist und in der Regel von Eltern gemieden wird, wenn es irgendwie geht. Private Träger erhalten keinen Zuschuss vom Staat. Der Staat lässt die Schulen allein. Die Verunsicherung, die dieses Gesetz hervorgebracht hat, ist bei den Vertretern der NESSL deutlich zu spüren. Immerhin unterhält die NESSL sieben Schulen im Libanon und eine in Aleppo/Syrien. Zusätzlich gibt es drei weitere Schulen der NESSL in Syrien in Gemeindeträgerschaft. Welche Auswirkungen das Gesetz haben wird bleibt abzuwarten. Es gibt Bemühungen von verschiedenen Verbänden, mit der Regierung zu verhandeln. Fakt ist, dass der Libanon ohne die Schulen in kirchlicher Trägerschaft den relativ guten Bildungsstand nicht halten kann. Zudem wird auch versucht, syrische Flüchtlingskinder in den Schulen unterzubringen. Diese bekommen von der Kirche eine entsprechende Unterstützung, wie überhaupt Kinder aus sozial schwachen Familien mit Unterstützung rechnen können. Es ist zu spüren, dass die Frage der Integration von Flüchtlingskindern drängend ist. Derzeit sollen ca. 200.000 syrische Kinder und Jugendliche im Libanon ohne Schulausbildung sein. Ändert sich hier nichts, dann wächst eine hoffnungslose Generation heran mit entsprechenden Folgen.
Bischof Meister im Gespräch
Nicht weit von der Schule in Nabatieh unterhält die NESSL eine weitere in Sidon. 1.700 Schüler und Schülerinnen werden hier unterrichtet. 95% sind muslimischen Glaubens sunnitischer Prägung. Knapp über 200 palästinensische Kinder des nahen Flüchtlingscamps besuchen die Schule. Auch hier ist von den großen Herausforderungen zu hören, die das neue Gesetz bedeutet. An dringend notwendige Investitionen ist kaum zu denken. Dabei fällt ins Auge, dass an der Weiterentwicklung der Infrastruktur der Gebäude der Schulen gearbeitet werden muss. Das ist auch notwendig, um die Schulen zu erhalten und Eltern sich gerade für eine Schule der NESSL entscheiden.

"Mich beeindruckt, dass die Kirche mit ihren Schulen einen Beitrag zur Versöhnung in der libanesischen Gesellschaft leistet - und das auch im Blick auf den langen Bürgerkrieg von 1974-1990", zeigt sich Landesbischof Meister beeindruckt von dem hohen Engagement der evangelischen Christen in der Region.

Dienstag, 17. Oktober 2017

Besuch eines ehemaligen GAW-Stipendiaten

Ervin Dräger (li.) mit Enno Haaks
Plötzlich steht Ervin Dräger in meinem Büro! 2015/16 war er GAW-Stipendiat. Er studiert Theologie an der FLT (Faculdade Luterana de Teologia) in São Bento do Sul im brasiliansischen Bundesstaat Santa Catarina. Es ist eine von drei Ausbildungsstätten der lutherischen Kirche in Brasilien (IECLB) und ist der Gnadauer Gemeinschaftsbewegung verpflichtet. Gerade in der Theologieausbildung in Brasilien zeigen sich deutlich die unterschiedlichen Traditionen, die in der Kirche nebeneinander existieren. Das führt gelegentlich auch zu Spannungen, die manchmal bereichernd sind, manchmal aber auch kompliziert. 
Ervin muss im Rahmen seiner Theologieausbildung ein halbjähriges Gemeindepraktikum absolvieren. Um seine Deutschkenntnisse zu verbessern, hat er sich entschlossen, dies in Deutschland zu machen. Er wird danach noch ein Jahr weiter studieren, bis er ins Vikariat gehen wird. "Die Zeit in Leipzig tat mir sehr gut", erzählt er, "mein Horizont hat sich geweitet - gerade auch theologisch! Ich bin dem GAW sehr dankbar für die Chance, die ich hier erhalten habe." 
Sein Praktikum hat er nun genutzt, um in Leipzig vorbeizuschauen. An diesem Beispiel zeigt sich: Gerade das Stipendienprogramm des GAW ermöglicht es, die weltweite Verbundenheit als evangelische Christen zu stärken.
Jährlich werden acht Stipendienplätze an Studierende aus den GAW-Partnerkirchen vergeben.