Donnerstag, 19. April 2018

"Lass uns beten! Das reicht nicht zu sagen in der konkreten Not der Menschen," Najla Kassab

Rev. Najla Kassab
"Komm: Lass uns beten! - das wäre zynisch zu jemandem sagen, der in einer konkreten Not als Ausgebombter, Vertriebener, Obdachloser oder aus anderer Not zur Kirche kommt - sei es in Aleppo, Homs, Qamishly, Mhradeh oder an anderen Orten in Syrien. Dieser Mensch in Not braucht konkrete Hilfe. Er braucht Nahrung, Obdach - eben materielle Unterstützung. Er braucht eine Perspektive. Wir können nicht sagen, dass wir nicht helfen können oder, dass wir nichts tun können. Das wäre ein glaubensloser und untröstlicher Satz. Zum Glauben gehört die konkrete gute Tat!" das sagte in einer beeindruckenden Zusammenfassung der Herausforderungen der evangelischen Kirche (NESSL - National Evangelical synod of Syria and Lebanon) in Syrien Pfarrerin Najla Kassab, die gleichzeitig Präsidentin der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK) ist. "Wir müssen versuchen reale Hilfe im Leben der Menschen zu geben. Dazu müssen wir die Kirchenmauern verlassen und zu den Menschen gehen, Perspektiven eröffnen, Chancen zum Bleiben schaffen - wenn es geht Obdach herrichten und bei Arbeitsperspektiven zu helfen - und das so gut es geht. Beten allein reicht nicht! Das heißt für uns: Der Gottesdienst am Sonntag muss sich im Alltag - und ganz besonders JETZT in Syrien - bewähren und konkret werden." 
Und Najla führt weitere Herausforderungen auf, vor denen die Kirche steht: "Es geht um Fragen der Sicherheit, die brüchig ist, wie man nach den jüngsten Raketenangriffen erlebt hat und die Folgen davon. Dann geht es auch darum, Treffen der evangelischen Gemeinden, die in ganz Syrien verteilt sind zu ermöglichen. Transportkosten sind dabei ziemlich hoch. Aber es gilt, den Zusammenhalt der Kirche zu stärken, und damit den Glauben zu stärken. Denn aus dem Glauben heraus gilt es die christlichen Werte zu wahren: keine Gewalt auszuüben, keine Rache zu erlauben, Gutes tun an jedermann. Mit all dem gilt es der Jugend der Gemeinde Halt zu geben und ihnen Chancen und Hoffnung auf eine Zukunft in Syrien zu geben, denn viele junge Leute haben das Land verlassen. Werden sie wiederkommen, wenn es Frieden gibt? Das ist ein großes Problem der Kirche. Und schaffen wir es, mit denen in Kontakt zu bleiben, die fern sind in Europa oder an anderen Orten? Und eine ganz große Herausforderung wird es sein, versöhnend in die syrische Gesellschaft hineinzuwirken. Als Libanesen kennen wir die schlimmen Traumata eines langen Bürgerkrieges. Diese Wunden sind noch lange nicht verheilt. Wird das in Syrien gelingen...? Gerade dafür braucht es die christlichen Kirchen und die Botschaft des Evangeliums und der HERRN der Kirche, der spricht: Lasst euch versöhnen mit Gott!"

Mittwoch, 18. April 2018

... wir haben uns aufgemacht, und bauen wieder auf..."


Pastor Joseph Kassab
"Der Gott des Himmels wird es uns gelingen lassen; denn wir, seine Knechte, haben uns aufgemacht und bauen wieder auf," so steht es in Nehemia 2,20 - unter diesem Leitwort steht die 3. Partnerschaftskonsultation der "National Evangelical Synod of Syria and Lebanon" (NESSL) vom 18.-20. April in der Nähe Beiruts. Ohne diese Hoffnung, dass das Leben Sinn macht, und dass Gott es gelingen lassen möge - wie sollten die Christen im Nahen Osten - insbesondere derzeit in Syrien überleben? Diese Hoffnung trägt sie, denn sie sagen zu Recht: Hier sind wir zu Hause! Von Syrien breitete sich der christliche Glaube aus. Vor Damaskus begann es - mit Paulus. Und gerade dieser Paulus war es, der uns alle einlädt "Gutes zu tun an jedermann, allermeist an des Glaubengenossen"! Deshalb geht es der Kirche darum, zu versöhnen und wieder aufzubauen. Pastor Joseph Kassab, Generalsekretär der NESSL, betont dann auch: "Die Christen werden eine wichtige Rolle dabei spielen, all das, was an Schlimmen und Gewaltvollem geschehen ist, zu bewältigen und alle Syrer/innen wieder zusammenzubringen, um die reiche Vielfalt Syriens zu bewahren und den sozialen Zusammenhalt wiederherzustellen. Das ist eine große Aufgabe und Herausforderung. Das sei nur gemeinsam zu schaffen zwischen allen Menschen guten Willens. Kassab betont, dass ohne die verschiedenen Partner der NESSL es unmöglich wäre die evangelische Präsenz in Syrien zu erhalten. Denn: Auch wenn es inzwischen immer mehr sog. "sicherer Zonen" gibt und man beispielsweise in Aleppo sich gut und sicher bewegen kann, so ist die ökonomische Situation alles andere als gesichert und gut. Die Menschen brauchen Unterstützung, um beispielsweise Lebensmittel zu kaufen. Gerade hier hat die Kirche zu helfen, um den Menschen Hoffnung und Perspektive zu geben -und zwar ganz konkret. Gerade die Botschaft der Hoffnung ist so dringend nötig, damit die Sprache der Angst, die so weit verbreitet ist, begrenzt wird. Sorgenvoll berichten alle Pfarrer aus Syrien, dass die Raketnangriffe des vergangenen Wochenendes die Menschen verunsichert. Sie habe Sorge, dass die Gewalt wieder eskalieren könnte.  




Dienstag, 17. April 2018

"Unsere Aufgabe in Syrien ist es:. Zeugnis geben, Gutes tun und in diesem Leben so leben, dass es einen Sinn hat."

Pfarrer Elias Ousta Jabbour
Pfarrer Elias Ousta Jabbour ist einer von zwei Pfarrern in Latakia an der Mittelmeerküste. Dort befindet sich die größte evangelische Gemeinde der National Evangelical Synod of Syria and Lebanon (NESSL). Die Region gilt als sicher. Das hängt auch mit der Präsenz des russischen Militärs zusammen. Die Einwohnerzahl Latakias ist durch den Krieg stark gestiegen. Viele Flüchtlinge sind in die Stadt oder ins Umland gekommen. Die von Islamisten besetzte Stadt Idlib ist nur 100 km entfernt.
Elias selbst stammt aus Aleppo. Zu Kriegsbeginn bekam er die Chance, zwei Semester in der Schweiz zu studieren.  In den Ferien kehrte er nach Syrien zurück - gerade zu dem Zeitpunkt, als die heftigsten Kämpfe in Aleppo begannen. Er kam nicht mehr raus aus der Stadt. Also half er in den evangelischen armenischen Gemeinden mit. Zehn Monate war er eingeschlossen. Er erzählt von der Wasser- und Lebensmittelnot, von Kämpfen, die er hautnah miterlebte, von Toten. Und er erzählt von den vielen jungen Männern, die geflohen sind. "Gerade diejenigen zwischen 20 bis 45 sind gegangen, weil sie nicht zu Militär wollten. Militär in Syrien heißt, dass du gefangen bist in dem System. Wenn du nicht verwundet wirst, kommst du da nicht raus", sagt er. "Wer Geld hat, der besticht mit Geld, um nicht an die Front zu müssen." Auch in den evangelischen Gemeinden fehlen die Männer dieser Generation: "Sie sind nicht da. Sie sind in Europa ..."
Vor dem Krieg gab es in Syrien 10-12 % Christen. Ihre Zahl - so Elias - habe sich inzwischen mindestens halbiert. 
Und auf die Frage, was die Aufgabe der Christen sei, sagt Elias Jabbour: "Jesus ist inmitten seiner Feinde nicht vom Kreuz geflohen. Das ist auch unsere Aufgabe. Zeugnis geben, Gutes tun und in diesem Leben so leben, dass es einen Sinn hat." Zum Schluss zitiert er noch Dietrich Bonhoeffer: "Wie Christus nur Christus ist als der leidende und verworfene, so ist der Jünger nur Jünger als der leidende und verworfene, als der mitgekreuzigte. Die Nachfolge als die Bindung an die Person Jesu Christi stellt den Nachfolgen-den unter das Gesetz Christi, d. h. unter das Kreuz." Das - so Elias - sei ihm Richtschnur im Lebe, im Glauben, in Syrien.

Montag, 16. April 2018

Die Botschaft der Versöhnung in Spanien heute - Wie ...?

Die Comisión Permanente 2014 - (2.v.li. Joél Cortés) - ganz rechts der
aktuelle Vorsitzende der CP Pastor Alfredo Abád
Der Konflikt in Spanien um die Unabhängigkeitsbestrebungen Kataloniens hat sich verschärft, nachdem Carlos Puigdemont in Schleswig-Holstein festgenommen wurde. Inzwischen ist er in Berlin und darf Deutschland vorerst nicht verlassen. In Spanien gab es am Wochenende erneut große Demonstrationen - für und gegen die separatistische Bestrebungen im Land. Selbst im katalanischen Regionalparlament fordert die Oppositionsführerin Ines Arrimadas, die Spaltung der spanischen Gesellschaft zu beenden. Der Konflikt hat sich zugespitzt, ist heftiger und gewaltvoller geworden. Es ist nicht einfach zu beurteilen, welcher Seite mehr zuzustimmen sei. Klar scheint zu sein, dass von verantwortlichen Stellen zu wenig zu einer Deeskalation beigetragen wurde und wird. 
Bis in die kleine Evangelische Kirche Spaniens (IEE) hinein reicht der Konflikt. "Wie im Rest der spanischen Gesellschaft, so finden wir auch in der IEE die unterschiedlichen Positionen wieder. Sie reichen von der Zustimmung zu einer friedlichen Einigung zwischen den Konfliktparteien durch ein Referendum, um den Konflikt auf demokratische Weise zu lösen, zu denen, die den "Status quo" bevorzugen, und denen, die eine deutliche zentralistische Position vertreten mit einer Stärkung Madrids", schreibt Joél Cortés, ehemaliger Vorsitzenden der Comisión Permanente (Synodalrat der IEE).
Schon im Jahr 2013 hatte die Synode der IEE eine Resolution verabschiedet, um einen friedlichen Ausgang des Konfliktes zwischen Katalonien und dem spanischen Staat zu unterstützen - auch wenn in der Synode in dieser Frage auch gegensätzliche Stimmen zu Wort kamen. Zudem hat die Comisión Permanente die gewaltsamen Ausschreitungen im Rahme des Referendums am 1. Oktober 2017  verurteilt. Innerhalb der Kirche würde man - so Cortés - die Situation in Spanien mit großer Sorge betrachten. Man hoffe, dass die politische Situation und die Konflikte nicht zu Spaltungen in der Kirche führen mögen. Leider birge die derzeitige politische Entwicklung nur wenig Hoffnung für eine gemeinsame Lösung des Konfliktes. "Die Comisión Permanente muss sehr achtsam sein mit ihren Botschaften. Wir müssen uns theologisch intensiv fragen, was in dieser Situation der prophetische Auftrag der Kirche sein kann, was von uns derzeit gefordert wird, um Zeichen zu setzen, und was die Botschaft der Versöhnung uns heute zu sagen hat und wie."

Freitag, 13. April 2018

Ein integrativer Bauernhof der Diakonie in Mitrovica - Woche für das Leben

Mitarbeiter auf dem Bauernhof der Diakonie
Am 14. April startet die #WochefürdasLeben. Damit werben die evangelische und katholische Kirche seit 1994 gemeinsam für die Schutzwürdigkeit des menschlichen Lebens in allen seinen Phasen. Die Aktion beginnt immer zwei Wochen nach Ostersamstag und dauert sieben Tage.
Um den Schutz und die Würde des menschlichen Lebens geht es auch bei einem besonderen Projekt der GAW-Frauenarbeit in diesem Jahr, das von der Diakonie Kosovo verantwortet wird. Auf einem von der Diakonie getragenen Bauernhof sind sieben der elf Mitarbeitenden Menschen mit Behinderungen. Ihnen eine Chance zu geben ist Ziel des integrativen Projektes.

Die Geschichte des Projekts der Evangelischen Diakonie in Mitrovica im Kosovo beginnt mit einer Begegnung. Der Bürgermeister von Mitrovica war 2011 auf einem Deutschlandbesuch, begleitet vom Diakon Bernd Baumgarten aus Trier. Eine der Stationen der damaligen Reise war eine Werkstatt für Behinderte. „So etwas brauchen wir im Kosovo auch!“, entfuhr es spontan dem Bürgermeister. Gesagt, getan: Die Kommune stellte sieben Hektar Land zur Verfügung. Bernd Baumgarten und Nysret Krasniqi, die beiden heutigen Diakoniechefs, ergriffen
Verkauf der Ernteprodukte 
sofort die Chance und eröffneten nur vier Monate später die Farm.
Heute funktioniert die Farm der Diakonie auf den ersten Blick wie ein ganz normaler Bio-Bauernhof. Neben den 2 000 Hühnern gibt es Gänse und Ziegen, außerdem werden Gurken, Paprika und Zwiebeln angebaut. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen - behindert oder nicht- kennen alle ihre Verantwortlichkeiten: Ställe ausmisten, Tiere füttern, Küken versorgen, putzen, Nachtwache halten. Die Angestellten haben ein geregeltes Einkommen – ein seltenes Glück im Kosovo.
Die Stadt Mitrovica liegt direkt auf der Konfliktlinie zwischen Kosovo-Albanern und Serben. Daraus erwachsen weitere Aufgaben für die Diakonie Kosovo: ein multiethnisches Jugendzentrum, ein Trauma-Therapiezentrum, einen Montessori-Kindergarten, eine Beratungsstelle für Rückkehrer und Abgeschobene sowie ein Ausbildungszentrum. Insgesamt hat die Diakonie Kosovo 85 Mitarbeiter.
 
Im Ausbildungszentrum der Diakonie erlernen jährlich rund 600 junge Menschen einen handwerklichen Beruf, der ihnen eine Perspektive in ihrer Heimat eröffnet. Der Ruf der Ausbildungsstätte ist sehr gut. Sogar Roma, die von der Gesellschaft sonst vielfach benachteiligt werden, haben gute Chancen, dank Ausbildung in begehrten Berufen wie Elektrotechniker Einkommen und Anerkennung zu erlangen.
Der Großteil der Mitarbeiter der Diakonie sind Muslime. Durch ihren christlichen Arbeitgeber bekommen sie ein positives Bild vom christlichen Glauben. Auch hier leistet die Diakonie eine wichtige Friedensarbeit.
Mit ihrem Jahresprojekt 2018 im Kosovo möchte die Frauenarbeit im GAW helfen, dem Biobauernhof der Diakonie in Mitrovica einen gebrauchten Traktor und dem Montessori-Kindergarten Spielzeug und Möbel zu kaufen.

unter Stichwort "Jahresprojekt Frauenarbeit"

Mittwoch, 11. April 2018

Schlaglichter aus Tschechien

Evangelische Kirche
in der Nähe von Prag
Im Dezember 2018 feiert die  Evangelische Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB) 100 Jahre ihres Bestehens. In ihrer heutigen Form ist sie durch die Vereinigung der bis dahin getrennt existierenden Evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses und der Kirche Helvetischen Bekenntnisses entstanden. Diese Vereinigung wurde erst nach dem Zusammenbruch des Habsburgischen Reiches und der Gründung der Tschechoslowakei möglich. Damit ist die EKBB eine echte „unierte Kirche“, deren Wurzeln in die böhmische, lutherische und calvinistische Reformation reichen. 
Die Feierlichkeiten stehen auch unter dem Eindruck eines sich wandelnden Gesellschaft in Tschechien. Sie ist derzeit geprägt von einer wachsenden Intoleranz, von unterschiedlicher, sich bekämpfender Meinungen z.B in Fragen der  Migrationspolitik. Diese Differenzen reichen auch in die Kirche hinein und zeigen sich, sobald es um Dialog und Kompromisse geht. 
In der Kirche selbst erzeugt die Frage des Umgangs mit den Geldern des Staates für die Restitutionen erneut Spannungen. Dabei geht es um zwei Dinge: Restitutionszahlungen für ehemals verstaatlichte Güter und die sukzessive weniger werdenden staatlichen Zuschüsse für die Pfarrgehälter. Es gibt eine synodale Grundsatzentscheidung, aber dies verhindert nicht, dass die Diskussionen immer wieder neu aufflammen. Das geht es um den Umgang mit Gewinnen aus Fonds. Dürfen diese Gelder verwendet werden? Eine andere Frage betrifft Kreditaufnahmen: Sind sie erlaubt für größere Bauvorhaben? Und wie wird mit Rückzahlungen umgegangen?
Schwierig gestalten sich in Tschechien die ökumenischen Beziehungen. Der katholische Kardinal zeichnet sich durch eine Nähe zum wiedergewählten, aber umstrittenen Präsidenten aus.
Auch die Frage des Pfarrernachwuchses ist belastend, weil zu wenige Kandidaten gefunden werden, die Interesse an Theologie und der Kirche haben. Der Synodalsenior fragt selbstkritisch: Sind wir in der Lage, den Glauben unseren eigenen Kindern glaubwürdig vermitteln?

Montag, 2. April 2018

Manchmal stehen wir auf ... mitten am Tag ... - Flüchtlingshilfe in Griechenland

In einem ehemaligen Autohaus ist in Volos das
Flüchtlingslager untergebracht

"Auferstehung" - so heißt ein Gedicht von Marie Luise Kaschnitz. Es fasst kurz und knapp zusammen, um was es in der Osterbotschaft geht:

"Manchmal stehen wir auf

Stehen wir zur Auferstehung auf
Mitten am Tage
Mit unserem lebendigen Haar
Mit unserer atmenden Haut ..."

Es geht Ostern um uns! Und darum, aufzustehen und einzustehen FÜR das Leben, insbesondere für Menschen in Not.

Heute am Ostermontag erreicht uns eine Nachricht von Moderator Meletis Melitiadis, der mit seinen Gemeinden das lebt und Beispiel als kleine Diasporakirche gibt, dass man immer etwas tun kann, aufstehen kann, einstehen kann für andere und es dabei nicht auf Größe Macht oder Einfluss ankommt. 

Im Autohaus sind provisorische "Kabinen" aufgestellt
Am Telefon sagte er mir. "Der Flüchtlingsstrom nach Griechenland ist nicht zu Ende. Es kommen immer wieder welche. Und bedrückend war es für uns, dass nach dem Treffen des türkischen Präsidenten mit den EU-Vertretern im bulgarischen Varna allein in der darauffolgenden Nacht 800 Flüchtlinge Griechenland erreichten. Das zeigt, wie hier auf Kosten der Flüchtlinge, der Notleidenden Politik gemacht wird." und dann fährt er fort: "Vor zwei Tagen rief mich der Militärkommandant des Flüchtlingslagers von Volos an und bat um Hilfe. Es waren am Tag zuvor mehr als 150 undokumentierte minderjährige Flüchtlinge in Volos ankommen..Der Kommandant schickte mir eine Liste mit dem, was dringend benötigt wird, um diese Jugendlichen zu versorgen. Auch wenn wir selbst immer wieder vor Ort sammeln, so brauchen wir doch eure Unterstützung dabei."
Vor einem Jahr im Camp in Volos: rechts M. Melitiadis;
links GAW-Generalsekretär E. Haaks

In Volos ist Moderator Melitiadis der Pfarrer der dortigen Gemeinde. Sie haben sich aktiv bei der Versorgung der Flüchtlinge in dem zwischenzeitlich geschlossenen Flüchtlingscamp engagiert. Jetzt wird es wieder geöffnet, weil erneut die Flüchtlingszahlen ansteigen.

Das GAW wird helfen und mit verschiedenen Partnern Sonderhilfe der Griechischen Evangelischen Kirche geben.

Diese Hilfe ist in unseren Augen gelebtes Ostern - aufstehen, mitten am Tag, mit unserer atmenden Haut. Denn - wir können was tun!

Freitag, 30. März 2018

Ostergruß des GAW

Liebe Freunde des GAW, liebe Schwestern und Brüder!
Im Spanischen wird die Woche von Palmarum bis Ostern „Semana Santa“, die „Heiligen Woche“, genannt. Es ist die Woche der totalen Liebe Gottes, der in Jesus den Jüngern damals - und heute uns -, die Füße waschen will, damit auch wir die Kraft und die Freude haben, den Menschen, vor allem den Ärmsten zu dienen! Gutes zu tun an jedermann nach dem Leitwort des GAW heißt: aufstehen zum Dienst am Nächsten – und besonders für unsere „Glaubensgenossen“!
Lasst uns das gemeinsam tun!
Eine bestärkende „Semana Santa“ und ein gesegnetes Osterfest!
Pfarrer Enno Haaks, Generalsekretär des GAW


Dear friends of the GAW, dear sisters and brothers in Christ!
We are in the midst of the Holy Week. It is the week of the passionate and uncompromising love of God, who in Jesus washed the disciples’ feet and does so today for us to give us power and joy to serve men, especially the most vulnerable. To do good to everyone – as the motto of the GAW says – does mean: stand up to serve our neighbors – in particular our sisters and brothers in faith.
Let’s do that together.
A strengthening Holy Week and a blessed Easter.
Rev. Enno Haaks, Secretary General of the GAW


Estimados amigos de la OGA, estimadas hermanas, etsimados hermanos!
Vivimos y experimentamos la Semana Santa. Es la semana del amor absoluto de nuestro Dios, quien a través de Jesus quiere lavar los pies a los discipulos en su tiempo – y en nuestros dias a nosotros. Y todo esto para que nosotros tengamos fuerza y la alegría a servir a los seres humanos, primero a los más pobres! El lema biblico de la OGA se llama: Hagamos bien a todos! Eso significa para nosotros: Vamos a levantarnos para servir al prójimo – y especialmente a nuestros hermanos en la fe!
Vamos a hacerlo juntos!
Les deseo una buena Semana Santa y una bendecida fiesta de Pascua de Resurreción!
Pastor Enno Haaks, Secretaria General de la OGA

Samstag, 24. März 2018

Gemeinsam Kirche in verunsicherten Zeiten sein

Eugenio Bernardini (Mitte)
"Die italiensiche Gesellschaft ist tief verunsichert. Nach den Wahlen in Italien gibt es keine regierungsfähige Mehrheit. Auch Neuwahlen würden sehr wahrscheinlich keine Mehrheit herbeiführen," sagte Moderator Eugenio Bernardini von der italienischen Waldenserkirche bei einer Tagung mit den Partnern seiner Kirche in Düsseldorf. Das sei frustrierend, denn die Hoffnung auf Erneuerung der Politik sei damit wieder und wieder enttäuscht worden. Auch die, die meinen für eine Erneuerung zu stehen, wie es Beppe Grillo von der Fünf-Sterne-Bewegung oder jüngst wieder Silvio Berlusconi vorgaukeln, sei nichts als ein Beispiel einer klamaukhaften Politikidee. Zudem: Es gäbe heute in Europa keine andere Partei, die es mit Systemopposition und Antipolitik so weit gebracht habe wie die Fünf-Sterne-Bewegung. Das sei aber eher als Antwort zu verstehen, dass die traditionelle Politik in Italien versagt habe. "In ganz Europa ist so etwas zu beobachten - selbst in Deutschland," meint Bernardini. In Italien käme aber verschärfend hinzu, dass man meint, dass mit Politikern wie Grillo oder Berlusconi, sich nicht ernsthaft sich etwas zum Besseren wandeln könnte. Trotzdem wählt man sie. Dahinter sitze eine resignative Überzeugung in Italien, dass es sich für den Einzelnen nicht lohnt, sich auf den beschwerlichen Weg vom abhängigen Klienten zum selbstbewussten Bürger zu machen. Am Ende werde doch alles beim schlechten Alten bleiben. Und zwar nicht nur deswegen, weil die Eliten verdorben sind, sondern eben auch, weil die Mehrheit der Bürger den schwierigen Aufbruch gar nicht wagen will. 
Neben dieser tiefen politischen Krise des Landes kommen die wirtschaftlichen Nöte hinzu. Gerade junge Leute wandern deshalb aus. Ein weiterer Aspekt der Verunsicherung liegt in den Fragen der Einwanderung. 5 Millionen Migranten sind in den vergangenen 15 Jahren nach Italien gekommen - 8 % der Bevölkerung. Das alles verstärkt die Frage nach der Identität und die Sehnsucht nach Abschottung.
"Bis in unsere Kirche hinein sind die Verunsicherungen zu spüren. Und wir fragen uns, wie wir in dieser globalisierten und sich rasant verändernden Welt eine missionarische Kirche sein können, die offen ist für die Herausforderungen unserer Zeit. Wir können und dürfen uns nicht abschotten und wir haben einen Auftrag gegen Verunsicherungen und Ängsten die frohe Botschaft zu setzen, die darauf baut, dass wir in keiner Zeit gottverlassen sind," sagt Bernardini. Wichtig sei deshalb das Programm "Gemeinsam Kirche sein" der Waldenserkirche, das versucht, Migranten in die Kirche zu integrieren. Seit mehr als 20 Jahren gibt es das Programm. Auch wenn die Mehrheit der Verantwortlichen und der Gemeindemitglieder hinter dem Programm stehen, so gibt es doch Ermüdungserscheinungen. Die Kirche wächst nicht, denn sobald Migranten gut integriert sind und dann auch noch die italienische Staatsbürgerschaft erhalten, zieht es sie eher Richtung Nordeuropa und sie gehen der Waldenserkirche verloren. Die Kirche steht zu diesem Programm, denn es ist ein Zeichen gegen die Verunsicherungen in der Gesellschaft.

Freitag, 23. März 2018

Rumänien: Christliche Stiftung Diakonia dankt für GAW-Konfirmandengabe 2016

Mit der GAW-Konfirmandengabe 2016 wurde u.a. die Roma-Arbeit der Christlichen Stiftung Diakonia in Rumänien unterstützt. Geschäftsführer Arthur Sárosi dankt nun in einem Brief allen Konfirmandinnen und Konfirmanden, die für die Roma-Arbeit der Stiftung gespendet haben: "Die Christliche Stiftung Diakonia engagiert sich seit 2001 bei der Integration von Kindern aus sozial schwachen und Roma-Familien. Unsere Arbeit ist sowohl in Städten also auch im ländlichen Bereich notwendig. Begonnen haben wir unsere Arbeit im Kreis Cluj. Nachdem wir dort zehn Jahre erfolgreich gearbeitet und Erfahrungen gesammelt hatten, haben wir unsere Arbeit auf den Kreis Bihor ausgeweitet. Unsere Arbeit wuchs beständig. Die Spenden der GAW-Konfirmandengabe 2016 kamen unserer vergleichsweise noch jungen Arbeit im Kreis Bihor zugute. Wir betreuen dort derzeit in 14 Ortschaften 450 sozial schwache und Roma-Kinder. Da der Staat und die Kommunen soziale Arbeit mit Kindern kaum unterstützen, sind wir sehr dankbar für die Hilfe unserer ausländischen kirchlichen Partner wie dem GAW. Herzlichen Dank und Gottes Segen allen Spenderinnen und Spendern." 

Die GAW-Konfirmandengabe 2018 unterstützt evangelische Schulen in Syrien und im Libanon sowie das Kinderheim "Casa Hogar" in Venezuela.

Dienstag, 20. März 2018

Eine Herberge für Notleidende in Palmela in Portugal

Das zu sanierende Gebäude in Palmela
Die politischen und sozialen Veränderungen stellen Kirchen und soziale Organisationen vor besondere Herausforderungen. In Portugal – wie in allen anderen europäischen Ländern auch – ist die Frage der Migration und der vielen Asylsuchenden eine große Herausforderung, die auch die Aufmerksamkeit der presbyterianischen Kirche in Portugal fordert. Auf der anderen Seite hat durch die soziale Krise im Land die häusliche Gewalt zugenommen, die insbesondere Frauen betrifft. Diese Frauen brauchen eine zeitweise Unterkunft (im Durchschnitt stirbt in Portugal pro Woche eine Frau an häuslicher Gewalt). Und schließlich ist die Situation der Obdachlosen gerade in den kalten Monaten fürchterlich. Es besteht ein großer Bedarf an vorübergehenden
Frauengruppe der Kirchengemeinde in Palmela
Unterkünften für Menschen in den unterschiedlichsten Notlagen, den die Presbyterianische Kirche durch die Errichtung von Notunterkünften in Palmela decken möchte.

Ein älteres, der Kirche gehörendes Gebäude in Palmela, bei Setúbal gelegen, soll saniert werden. Im Erdgeschoss sollen Unterkünfte für acht Asylsuchende und Flüchtlinge hergerichtet werden. Im 1. Stockwerk sollen für Notleidende aus Portugal entsprechende Räume saniert und eingerichtet werden. Dazu müssen das Dach und die Außenfassade erneuert werden.

Die Gesamtkosten betragen 50 000 €. Das GAW will dieses wichtige Projekt in diesem Jahr mit 
9 000 Euro fördern.

Dienstag, 13. März 2018

Wuppertal: Benefizkonzert für die Projekte der GAW-Konfirmandengabe in Syrien und Venezuela

Pfarrerin Friederike Slupina-Beck (links)
und Tenor Christoph Ibach (rechts).
Bei einem Benefizkonzert zugunsten der GAW-Konfirmandengabe 2018 sammelte die evangelische Kirchengemeinde Wuppertal-Ronsdorf am Wochenende 1.150 Euro. Das Geld kommt evangelischen Schulen in Syrien und dem Kinderheim "Casa Hogar" in Venezuela zugute. Initiiert und organisiert haben das Konzert Tenor Christoph Ibach und Pfarrerin Friederike Slupina-Beck. Slupina-Beck: "Wir sind glücklich, dass wir Christoph Ibach für die Projekte des GAW gewinnen konnten. Er hat ein hochkarätiges Musikerensemble für dieses Konzert zusammengestellt." Während des Konzertes berichteten Friederike Slupina-Beck und Chistoph Ibach mit Fotos und Geschichten aus den Projekten in Syrien und Venezuela. "Die bewegende Verbindung zwischen den Projekten des GAW und guter Musik sollten wir öfter nutzen", findet Ibach und plant schon an der nächsten Veranstaltung, die spätestens im Herbst stattfinden soll, wenn GAW-Generalsekretär Pfarrer Enno Haaks und Pfarrer Mofid Karajili aus Homs die Gemeinde besuchen. GAW-Generalsekretär Pfarrer Enno Haaks: "Wir freuen uns über das Engagement der Wuppertaler und bedanken uns herzlich - auch im Namen unserer Partner in Syrien und in Venezuela!"